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Steinzeitwerkstatt

Seeweg 16

CH-5706 Boniswil AG

Personenportrait: Max Zurbuchen, Archäologe & Prähistoriker

Max Zurbuchen kann 2013 sein 40-Jahr-Jubiläum in der Steinzeitwerkstatt feiern.

Kurzportrait MAX ZURBUCHEN
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«Das sieht ja steinzeitmässig aus.» Diesen Spruch bekommt man heute oft zu hören. Meistens im Zusammenhang mit Gegenständen, Kleidern etc., die nicht mehr im Trend sind. Eigentlich falsch. Denn: Die Steinzeit ist auch heute noch sehr wohl im Trend. Einer, der es wissen muss, ist der Boniswiler Prähistoriker und Archäologe Max Zurbuchen, Verantwortlicher für die Steinzeitwerkstatt und Pfahlbauhaus an der Leutwilerstr. 6 in 5706 Boniswil.

 

Nicht nur Schulkassen sondern vermehrt auch Gruppen von Erwachsenen führt er während des Jahres durch die Steinzeitwerkstätte in Boniswil, wo er anhand von Originalbeispielen die Technik der Steinzeit, den Herstellungsprozess bestimmter Werkzeuge und deren Verwendungszweck erklärt. Dabei macht er immer wieder interessante Beobachtungen. Nämlich, dass die heutige Jugend trotz aller multimedialer Übersättigung Interesse für die Urgeschichte und besonders für das Handwerk aus der Steinzeit zeigt. Nicht zuletzt auch wegen des Live-Erlebnisses in der Steinzeitwerkstätte. «Die Schüler dürfen hier selber Hand anlegen und lassen sich so begeistern. Obwohl die Kinder heute viel hektischer und ungeduldiger geworden sind», sagt Max Zurbuchen. Gerade das urgeschichtliche Werken aber braucht viel Ausdauer und Geduld. Gut deshalb, dass Zurbuchen bei seinen Führungen nicht nur als Experte und Kenner für Steinzeitwerkzeuge, sondern auch als exzellenter Motivator in Erscheinung tritt.

Förderer Dr. Reinhold Bosch
Auch er liess sich damals – als noch niemand von Computer, Game Boy & Co. sprach – für die Urgeschichte begeistern. «Das war in der Mittelschule», wie er sich erinnert. Sein Lehrer weckte damals sein Interesse, indem er der Klasse das Geschichtsbild mit spannenden Erklärungen vermittelte. Definitiv in die Archäologie reingeschlittert ist Max Zurbuchen dank Dr. Reinhold Bosch. Bosch war Bezirkslehrer in Seengen und ab 1947 vollamtlicher Kantonsarchäologe. «Er war so etwas wie mein Ziehvater und hat mich mitgenommen zu Ausgrabungen bei Kirchen, Gräbern etc. Auch hat er mich später an der Uni gefördert», sagt Zurbuchen. Dr. Reinhold Bosch war 1922 zudem Gründer der Historischen Vereinigung Seengen, aus welcher später die Historische Vereinigung Seetal hervorging. Er war es auch, der Max Zurbuchen als seinen Nachfolger der Steinzeitwerkstätte vorschlug. «1972 habe ich die Steinzeitwerkstätte als junger Prähistoriker ehrenamtlich und nebenamtlich von der heute noch bestehenden Historischen Vereinigung Seetal übernommen», erzählt Max Zurbuchen. Schon während seiner Studienzeit hatte er sich für die damals noch in den Kinderschuhen steckende experimentelle Archäologie interessiert. 20 Jahre zogen ins Land, bis der Funke auf die anfangs lächelnde Fachwelt übersprang. «Die experimentelle Archäologie hat seit der Pfahlbauland-Ausstellung, welche 1990 in Zürich stattgefunden hatte, einen gewaltigen Aufschwung erlebt», stellt Zurbuchen fest.

Der "Boniswiler Ötzi"
Dass das Interesse der Öffentlichkeit an der Vergangenheit nach wie vor vorhanden ist, zeigt auch der Jahrhundertfund Ötzi. Der vor über 5000 Jahren verunglückte und im Eis konservierte Mann war eine Sensation für die Menschheit. Und der Mann aus dem Eis rief Forscher aus der ganzen Welt auf den Plan. Zu ihnen gehört auch Max Zurbuchen als einer der wenigen Experimental-Archäologen Europas. Zurbuchen stand dabei in Kontakt mit dem Südtiroler Landesmuseum, welches auch das Ötzi-Museum beherbergt. Er baute die Ötzi-Axt bis ins kleinste Detail als Replika nach. «Ötzi musste eine für damalige Verhältnisse absolute Hightech-Ausrüstung bei sich gehabt haben», erklärt Max Zurbuchen. Er fand nämlich heraus, dass die Klinge der Axt zwar aus Kupfer war, die Schneide aber durch eine spezielle Kaltschmiedetechnik so gehärtet werden konnte, dass sie sehr widerstandsfähig war. Heute kann die Replika der Ötzi-Axt auch in der Steinzeitwerkstätte in Boniswil bewundert werden. Zurbuchen wird nicht zuletzt auch deswegen ab und zu «der Ötzi von Boniswil» genannt. Zurbuchen ist aber nicht nur in der Steinzeitwerkstätte ein gefragter Mann. Auch im Trentino am Gardasee wurde er schon zu Kongressen eingeladen. Dies nachdem er dort die Aufschlüsse von Feuerstein erforscht hatte und über dieses Projekt diverse Arbeiten verfasst hatte. Aber auch in unserem Land ist sein umfangreiches Wissen gefragt. Zum Beispiel bei Ausgrabungen in Künten, wo zwei prähistorische Siedlungen entdeckt wurden. Erwartet wurden Funde aus der Zeit des Antiken Roms. Zum Vorschein kamen aber Objekte aus der Steinzeit. Unter anderem ein Platz, wo Steinbeile und Steinklingen hergestellt wurden. Anlässlich eines Tages der offenen Grabung wurde Max Zurbuchen aufgeboten, um den interessierten Besuchern zu zeigen, wie in der Steinzeit Werkzeuge hergestellt wurden.

Projekt für das Schweizer Fernsehen
Ein Meilenstein war für Max Zurbuchen auch das Projekt «Steinzeit Live» des Schweizer Fernsehens, das vom 25. Juli bis 21. August 2007 aus der Pfahlbausiedlung im thurgauischen Pfyn in die Schweizer Stuben flimmerte. Im Vorfeld wurden im Naturschutzgebiet zwei vom Bund bewilligte Pfahlbauhäuser und ein Stall gebaut. Und zwar so, wie zu den Pfahlbauerzeiten. Für den Bau der Pfahlbauhäuser suchte das Schweizer Fernsehen, vertreten durch Redaktionsleiter Thomas Schäppi, einen archäologischen Fachmann. «Er rief mich an, nachdem der Thurgauer Kantonsarchäologe den Verantwortlichen sagte, dass ich der richtige Mann für dieses Projekt sei», so Zurbuchen. Mit Forstleuten realisierte er das Projekt innerhalb nur eines Monats. «Für mich war dieser Einsatz eine sehr schöne Erfahrung und nicht zuletzt auch die günstigste Reklame für mich und mein Schaffen.

Seengens Pfahlbauerhaus: Zurbuchen`s Idee
Ebenfalls zu einem Meilenstein zählt für Max Zurbuchen der Nachbau eines Pfahlbauhauses aus der Jungsteinzeit in Seengen 1989. Es gehörte zu den ersten, nach archäologischen Funden rekonstruierte Pfahlbauhaus der Schweiz und Zurbuchen war der Initiant dieser ausgefallenen Idee. Spender war der Lenzburger Rotary-Club, dessen Mitglieder beim zwei Jahre dauernden Bau grössenteils selber Hand anlegten. «Seengen hat kulturell etwas, das andere Gemeinden nicht haben.» Und damit meint der rüstige 68-Jährige nicht nur das Pfahlbauerhaus oder die prähistorischen Pfahlbausiedlung in der Seenger Riesi, die neben weiteren Pfahlbauten rund um die Alpen ins Unseco-Welterbe aufgenommen wurden, sondern auch die Steinzeitwerkstätte. «Um die Ausstellung übersichtlicher zu gestalten, wäre eine grössere Lokalität nicht schlecht», so Zurbuchens Wunsch. Schliesslich möchte er hier noch viel bewegen. Und, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört und motiviert ist, zeigen seine Besuche an der Uni, wo er sich noch heute Infos über Grabungsbefunde und Grabungstechniken holt.

 

Quelle: dorfheftli.ch / Seengen